Chaneros Geschichte

Dies ist die Geschichte eines Volkes, von dem wahrscheinlich niemand je gehört hat. Die Rede ist vom Volk der Chaneroaner. Dies ist, auch wenn man es vielleicht nicht glaubt, das Volk, dem ich angehöre. Mein Name ist Chanero Kuchen. Ich weiss, was ihr denkt: Wie zur Hölle kann man so einen Namen haben? Der klingt ja total erfunden! Aber dazu müssen wir tiefer in die Geschichte gehen.

Vor nicht all zu langer Zeit waren die Chaneroaner auf einem weit entfernten Planeten heimisch. Diesen Planeten kennt man nur unter dem Namen Chanet. Eigentlich waren zu Beginn alle Chaneroaner beisammen, doch nach einiger Zeit entschlossen sie sich, Kolonien zu gründen und den ganzen Planeten zu bevölkern. Schliesslich wurden aus einem Volk viele Völker. Die grössten dieser Völker waren die Tortoner, die Kuchaner, die Muffiner und die Keksaner. Alle stachen für ihre besonderen Eigenschaften heraus. Die Tortoner hatten ein riesiges Handelsimperium, dem kein anderes Volk das Wasser reichen konnte. Die Kuchaner waren bekannt für ihre Intelligenz, ihre Strategen und Wissenschaftler. Die Muffiner lebten in kalten, fast lebensfeindlichen Gebieten. Sie waren sehr robust und in kalten Gebieten fanden sich viele Erze, wodurch sie sich aufs Schmieden und aufs Kämpfen fokussierten. Einem Kampf mit diesem Volk sollte man eindeutig aus dem Weg gehen. Die Keksaner hausten im Wald, waren Experten der Heilung und fanden laut Gerüchten sogar den Schlüssel zum ewigen Leben.

Was ihr vielleicht jetzt denkt, ist: Hey, die Namen dieser Völker erinnern doch ziemlich sehr an Dessert! Das ist aber nur die halbe Wahrheit, denn, was man wissen muss, ist, dass man auf Chanet eine andere Sprache sprach, als sie überhaupt auf der Erde existiert. Diese Sprache hiess Chanerianisch. Die Namen, die ich hier nenne, sind nur stark vereinfachte Namen, die man sich merken und auch aussprechen kann. Hier also die direkte Übersetzung der Völkernamen:

Nê = Volk

Turtonê (Tortoner): Turton = Handel (Volk des Handels)

Cvcanê (Kuchaner): Cvca = Weisheit (Volk der Weisheit)

Mxfinê (Muffiner): Mxfi = Schlacht (Volk der Schlachten)

Xexnê (Keksaner): Xex = Heilung (Volk der Heilung)

Die Aussprache der Buchstaben ist anders, als die, die man normalerweise verwenden würde, aber so sahen die Chanerianischen Buchstaben etwa aus. Ich sollte vielleicht auch noch erklären, was Chanero bedeutet, da viele Wörter diesem Wort ähneln. Leider ist es ziemlich schwer, das Wort zu erklären, weil die Bedeutung eigentlich vor ca. 3.000 Jahren in den Aufzeichnungen verloren ging. Also wird es wohl ein ungelöstes Geheimnis bleiben.

Nun zurück zu der Geschichte. Die Völker lebten hauptsächlich friedlich miteinander, was nach sieben Generationen der Trennung dazu führte, dass sich einige Chaneroaner verschiedener Völker zusammenschlossen, um eine hochkulturelle Stadt zu bauen. Diese Stadt wurde kurze Zeit später zum Hauptsitz aller wichtigen Organisationen und sogar zur Hauptstadt des ganzen Planeten. Der Name dieser Stadt war Chanesien. Dies war auch der einzige Ort, an dem die verschiedenen Völker zusammen lebten. Aber das unglaublichste dieser Stadt war, dass dort sogar Ehen und Kinder zwischen verschiedenen Völkern entstehen konnten. Diese Kinder eigneten sich die Fähigkeiten beider Elternteile an und nach weiteren Generationen hatten Kinder die Fähigkeiten aller Völker und wurden somit zu einer unglaublich vielseitigen Generation. Da sie jedoch alle vier Fähigkeiten beherrschten, waren alle nicht so stark ausgebildet.

Vielleicht wollt ihr noch wissen, zu welchem Volk oder zu welchen Völkern ich gehöre. Nun, ich bin 100%ige Kuchanerin, aber gleich alt, wie solche, die zur vielseitigen Generation angehörten. In der Schule war ich eine Art Rarität, weil in Chanesien ein reinvölkiges Kind selten wurde. Kuchaner wurden in eine spezielle Klasse eingeteilt, da wir gute Gene für Intelligenz hatten und somit eine bessere Ausbildung brauchten. In der Klasse waren wir nur etwa vier Leute, weil der Prozentsatz von reinen Kuchaner-Kindern bei 2.2% lag. Ein Vorteil war aber, dass die Lehrer, die auch Kuchaner waren, mehr Zeit für uns hatten und ich so ein gutes Wissen ansammeln konnte. Noch heute sagen mir alle, ich hätte ein gutes Allgemeinwissen. Das muss wohl von dieser Zeit übrig geblieben sein.

Aber ich möchte hier ja eigentlich keinen Fokus auf mich setzen. Kommen wir also zurück zum wichtigeren Teil. Zu dieser Zeit war das Leben auf Chanet extrem friedlich, weil nun alle miteinander lebten und auch gemeinsame Kinder hatten. Jedoch brachten diese Volkmischungen ein etwas grösseres Problem mit sich. Da es verschieden Spezialisten für Arbeiten gab, wie zum Beispiel, dass die Muffiner Schmiede oder die Kuchaner Lehrer sind, riefen die Völkermixe einen Mangel an Spezialisten auf. Immerhin sind die Mischlinge nicht auf eine bestimmte Aufgabe vorbereitet und somit nicht zu 100% dafür geschaffen. Da Chaneroaner Perfektionisten waren, artete das zu einem Problem des ganzen Chaneten aus. Das Problem wurde von einem Rat aus Kuchanischen Strategen über zwei Jahre lang besprochen und es wurde versucht, eine Lösung zu finden. Sogar die Besten fanden keine gute Antwort. Die einzige Lösung, die sie gefunden haben, wäre es, die Mischlinge auszurotten und wieder nur noch die Reinvölker zu haben. Dies würde aber zu einem Krieg zwischen entstehenden Rebellen und dem Staat führen, doch die Kuchaner wollten es friedlich lösen. Am Ende kamen sie zum Entschluss, die Mischlinge als Assistenten der Spezialisten einzusetzen, damit sie auch ihren Platz auf Chanet fanden.

30 Jahre lief dies auch gut, doch im 31. Jahr trat ein Problem auf. Ein Kind wurde geboren, ein Mischling aus allen vier Völkern, eine Mischung der 3. Mischlingsgeneration. Es wurde in diesem entscheidenden Jahr sechs Jahre alt und besuchte somit die Schule. Doch etwas war anders, denn dieser Chaneroaner war… perfekt. Tests ergaben, dass er alle Fähigkeiten problemlos meistern konnte. Somit wurde er zum perfekten Chaneroaner. Die Kuchaner glaubten laut Statistiken, er würde das einzige perfekte Kind werden, doch die Handelsmacht der Tortoner begann, sich davor zu fürchten, dass die Ära der perfekten Chaneroaner beginnen würde. Vor allem fürchtete sich eine Familie der Tortoner davor und zwar die Linzer-Familie (Lînx = Reich an Geld). Dies war die einflussreichste Familie überhaupt. Sieben ihrer Familienmitglieder besetzten hohe Plätze der Politik von Chanesien und sie waren bekannt als die reichste Familie von ganz Chanet.

Die Familie schaffte es, die ganze Tortonerschaft von ihrer Angst zu überzeugen. Sie zogen sogar die Muffiner auf ihre Seite. Nun begann mit dem Aufgang der Sonne am 27. Tag nach Anbruch des 32. Jahres die Zeit der Angst. Die Idee der Tortoner war es, den alten Notfallplan der Kuchaner umzusetzen. Dieser sah es ja vor, die Mischlinge auszurotten. So zogen an jenem Tag die Muffiner los und begannen mit der Ausrottung. Die Kuchaner versuchten, diesen Angriff zu stoppen, ohne zu kämpfen, doch leider waren die Muffiner ein unaufhaltsames Volk. Die einzige Möglichkeit zum Stopp war es, selbst anzugreifen. Die Keksaner und die Mischlinge schlossen sich mit den Kuchanern zusammen und starteten den Gegenangriff. Der Chaneroanische Krieg wurde geboren.

Es war ein grausamer Krieg, der mehrere Jahre andauerte. Ich war zu Beginn des Krieges gerade einmal zehn Jahre alt, was mich zum Glück in eine Position brachte, in der ich sicher war, da ich immerhin nicht auf dem Schlachtfeld war. Ich dachte zwar, ich wäre sicher, jedoch wusste ich einige Dinge nicht. Die tortonische Seite begann, kuchanische, reinvölkische Kinder zu entführen, um ihre noch existente kindische Naivität dazu zu benutzen, ihre Fähigkeiten für sich zu benutzen. Eines Nachts in meinem 13. Lebensjahr traf es mich…

Ich gehe jetzt doch etwas auf mich selbst ein, da es einige Dinge wohl besser erklärt. Wie zum Beispiel die Frage, wie ich auf die Erde kam oder anderes. Jedenfalls landete ich nun im Lager für kuchanische Kinder innerhalb der tortonischen Macht. Man versuchte, mich mit allen Mitteln zur Kooperation zu überzeugen, doch ich weigerte mich. Ich wollte mein Volk nicht verraten. Nach 24 Tagen in Gefangenschaft gelang es mir, zu fliehen. Ich musste mich durch das Schlachtfeld schleichen und wie durch ein Wunder schaffte ich es. Bis heute trage ich jedoch ein “Andenken” an die Gefangenschaft an mir. Um die kuchanischen Gefangenen zu erkennen, wurde jedem ein blaues Armband angelegt, welches ohne den Schlüssel unmöglich zu öffnen ist.

Als ich wieder auf der anderen Seite ankam, erzählte ich den erstbesten Kuchanern, was ich erlebt und gesehen hatte. Diese hörten mir ungläubig zu, doch glaubten es am Ende trotzdem. Sie brachten mich sogar zu den höchsten kuchanischen Strategen, denen ich meine Beobachtungen erzählen sollte. Das erweiterte das Wissen über die tortonische Einheit und der Aufenthaltsort der Kinder wurde ausfindig gemacht. Damit habe ich meinem Volk in diesem Moment sehr geholfen.

Leider war es nur in diesem Moment eine Hilfe. Die Kuchaner planten, die entführten Kinder zurückzuholen, in dem sie dieses Gebäude stürmten. Dies gelang ihnen auch, jedoch haben die Tortoner aus irgend einem Grund einen riesigen Fortschritt in der Gehirnwäsche gemacht. Somit haben sie die meisten Kinder dazu gebracht, auf ihrer Seite zu sein. Dies führte dazu, dass 70% der “geretteten” Kuchanerkinder Selbstmord begannen, 20% zurück zu den Tortonern flohen und nur 10% bei den Kuchanern blieben. Davon waren 3% aber Verräter. Ein Kind sendete sogar 257 Tage lang nach der Rettung Informationen an die Tortoner. In der Zeit, während dieses Kind aktiv war, waren die Kuchaner sehr im Nachteil, weil die Tortoner alles schon wussten. Denn dieses Kind war kein normaler Kuchaner. Es hatte Zugriff auf alle wichtigen Informationen, denn es war das zweite Kind der einflussreichsten Kuchanerfamilie, den Marmorern (Mêrmur = Wissen). Als man das herausfand, sperrte man das Kind natürlich weg.

Dieses Kind veränderte aber das Klima innerhalb den Kuchanern. Jetzt wussten sie, woher der Nachteil kam und dass so ziemlich alle Geheimnisse und Vorteile dem Gegner bekannt waren. Die einzige Möglichkeit, die nun noch zu einem massakerlosen Ende des Krieges führen würde, wäre aufzugeben. Aber da Chaneroaner Perfektionisten sind, käme nicht mal den Kuchanern in den Kopf, sich zu ergeben. Stattdessen fällten sie die wohl unglaublichste und schlimmste Entscheidung der ganzen Zeit. Sie verbrachten die nächsten Tage damit, ein Raumschiff zu bauen, welches genug Platz hatte, um die Kuchaner und die Keksaner vom Planeten Chanet wegzubringen. Damit sollte die Sicherheit gewährleistet werden.

Daneben bauten sie aber noch etwas anderes. Eine Art Bombe, die stark genug war, um einen Planeten auszulöschen. Dabei wurde aber genau darauf geachtet, dass die Bombe nur Chaneroaner umbringt, keinen Tieren schadet und auch den Planeten nicht zerstört. Denn die Chaneroaner waren auch ziemlich moralisch und wollten niemandem, der keine Schuld an den Dingen trägt, schaden. Die Entwicklung der Bombe war sehr erfolgreich. Das Raumschiff musste aber eine Weile mit Vorräten und allem wichtigen gefüllt werden, da man nach dem Zünden der Bombe ungefähr zwei Jahre warten musste, bis Chanet für Chaneroaner wieder betretbar wurde.

Bereit zum Abflug war die Raumfähre nach schon zwei Wochen. So geschah es, dass alle Kuchaner und Keksaner Chanet verliessen. Von weitem sah man einen hellen Lichtstrahl auf Chanet am zweiten Tag der Reise. Die restlichen Chaneroaner auf Chanet waren damit tot. Der sogenannte “stille Frieden” begann. Weshalb er als still bezeichnet wurde, kann ich euch einfach erklären.

Nach dem Auslöschen unzähliger Leben, konnten die meisten noch übrigen Chaneroaner nicht mit ihrem Gewissen umgehen. Deshalb haben sie, mich eingeschlossen, begonnen, nur noch bei unglaublicher Not miteinander zu reden. Dies war das Chaneroanische Schweigegelübte. Um zu kommunizieren, wurden meist nur noch Briefe und Zettel benutzt. Deshalb bin ich heute noch eine ziemlich ruhige Person. Jedenfalls wurde der Frieden deshalb als stiller Frieden bezeichnet.

Nun befand sich das Raumschiff schon einige Wochen im Weltraum, jedoch bemerkten die Wissenschaftler ein enormes Problem, was den stillen Frieden schon wieder zur Vernichtung brachte. Denn sie fanden heraus, dass Chanet nicht nach zwei Jahren, sondern nach zwanzig Jahren wieder betretbar wurde. Als diese Information bekannt wurde, fingen Leute an, die Vorräte zu plündern und andere Chaneroaner umzubringen, um das eigene Überleben über die Jahre zu sichern. Ein Bürgerkrieg brach aus. Die Verzweiflung war zu gross und trieb die Leute zu solchen Taten. Innerhalb nur eines Monates sank die Anzahl der Chaneroaner an Bord um 80%.

Ich möchte hier noch ein paar Fakten aufschreiben, die ich gerne anmerken möchte. Und zwar wären das die Verluste der Chaneroanischen Rasse. Die Grösse des gesamten Planeten Chanet betrug etwa die Grösse von Russland und die Anzahl damals existenter Chaneroaner war bei etwa 40 Millionen. Während des Krieges starben 32 Millionen Bewohner, aufgrund des Verräterkindes und den Muffinern gab es mehr Tote bei den Kuchanern und Keksanern. Beim Raketenangriff wurden auch noch 5 Millionen Tortoner und Muffiner ausgelöscht. Somit bot das Raumschiff Platz für etwa 3 Millionen Chaneroaner. Durch den Bürgerkrieg sank diese Anzahl nur noch auf 600.000. Dies waren nur noch 1,5% der ursprünglichen Bevölkerung. Es war eindeutig der fatalste Krieg der Geschichte von Chanet.

Nun möchte ich aber zurück zur Hauptgeschichte kommen. Aufgrund der Reduktion der Chaneroaner hätten sie theoretisch die Hälfte der Zeit überleben können. Danach wäre aber auch wirklich ein Ende gekommen, ausser die Tode würden weitergehen. Jedoch wurde ein Stopp der makaberen Morde eingeleitet, als die kuchanischen Strategen einen Planeten entdeckten, der grösser als Chanet und komplett in Takt war, dieser Planet war die Erde. Mit der Höchstgeschwindigkeit von mehr als 10 Lichtjahren pro Sekunde, wäre es möglich gewesen, die Erde in nur wenigen Tagen zu erreichen. Jedoch hatte jemand andere Pläne.

Der andere Sohn der Marmorer, welcher als zweitintelligentester Chaneroaner bekannt war, sah auf dem Planeten das Problem, dass dort bereits etliche so genannte “Menschen” hausten. Er erkannte, dass es verrückt wäre, mit einem Raumschiff dort zu landen, da die Chaneroaner selbst mit Aliens eher suspekt umgingen. Immerhin wusste man nicht, wie intelligent sie waren und welche Absichten sie hatten. Und ja, auf Chanet sind auch schon Aliens gelandet. Sie wurden aber vertrieben, da die Chaneroaner sie nicht freundlich begrüsst hatten. Jedoch waren die Chaneroaner weiter fortgeschritten, weshalb die Aliens nicht mehr zurückkamen.

Jedenfalls fand er es besser, nur eine Person im Geheimen auf die Erde zu senden, damit es nicht zu auffällig war. Immerhin sahen Chaneroaner zwar aus wie Menschen, jedoch waren die natürlichen Haar- und Augenfarben leicht anders und auffällig. So hatten die Augen leuchtendere Farben und die Haupthaarfarben waren Orange, Grün, Lila und Blau. Und wenn nun so viele Leute mit solchen Haar- und Augenfarben am gleichen Ort auftauchen würden, wäre es schon sehr auffällig.

Die Chaneoraner nahmen also Kurs auf die Erde und waren auf dem Weg. Aber etwa zwei Tage, bevor die Erde erreicht wäre, kam dieser Sohn der Marmorer auf mich zu und schlug mir seinen Plan vor. Er war, wie ich, damals 14 und wurde deshalb nicht von den Älteren ernst genommen. Ausserdem bin ich so etwa die letzte andere Kuchanerin aus seiner Klasse, die noch am Leben ist. Er erklärte mir, dass er wolle, dass ich auf die Erde gehe und erstmal herausfinden solle, ob die Menschen uns Chaneroaner akzeptieren würden und ob es überhaupt nützlich wäre, dort zu leben. Er würde, während ich mit einem kleinen Notfallraumschiff auf der Erde lande und sie erkunde, dafür sorgen, dass bei der Fahrelektronik ein Problem auftritt, welches die Reise um etwa zwei Wochen verzögern sollte. Kommunizieren könnte ich mit ihm über eine so genannte Schokolade (Shuculâ = Telekommunikator), welchen er erfunden hatte. Er hatte seinen Plan wirklich gut vorbereitet und da ich hoffte, damit den Fortbestand der Chaneroaner zu sichern, nahm ich natürlich seine Bitte an.

Er wollte den Plan sofort umsetzen, also schickte er mich in ein Notfallraumschiff und es flog direkt los. Jedoch gab es etwas, was wir nicht wussten. Und zwar war seine Schwester, die Verräterin, auch an Bord des Raumschiffes, weil alle dachten, sie hätte sich besonnen und sei wieder auf der Seite der Kuchaner. Aber sie war immer noch eine Verräterin. Sie kam irgendwie in Besitz des Prototypen der Bombe, die die Tortoner auslöschte. Jedoch hatte diese zusätzlich noch eine zerstörerische Komponente. Kurz nachdem ich nun im Notfallraumschiff war, gab es einen riesigen Knall. Das grosse Raumschiff war zerstört und alle anderen Chaneroaner tot. Ich war nun die Letzte der Chaneroaner im gesamten Universum.

Das dachte ich jedenfalls, aber es war nicht ganz richtig. Denn sie, die Verräterin, floh vor der Explosion genau in das Notfallschiff, in welchem ich war. Sie versuchte eines Nachts, als ich noch nicht von ihr wusste, mich im Schlaf umzubringen. Aber ich erwachte zum Glück noch rechtzeitig. Ein Kampf zwischen uns brach aus und zog sich durch das ganze Raumschiff, bis zum Laboratorium. Dort liefen wir während des Kampfes in eine obskure Maschine und ich drückte aus Versehen auf einen Knopf. Die Türen schlossen sich, ein Nebel füllte sie und wir fielen beide in Ohnmacht.

Als ich aufwachte, war ich alleine. Ich suchte das ganze Schiff ab, doch fand die Verräterin nicht. Aber ich sah manchmal ein komisches Grinsen in meinem Schatten, welches mir etwas Sorgen bereitete. Als ich zurück zur Maschine ging, fand ich den Namen und die Anleitung der Maschine. Die Maschine hiess Tiramisuer (Tjro = Schatten, nîzu = umwandeln, = Schattenumwandler). Die Anleitung erklärte, dass die Maschine dazu da war, Chaneroaner in den Schatten eines anderen Chaneroaners zu “füllen”. Somit wurde die Seele und der Körper der Verräterin in meinen Schatten konvertiert. Diese Maschine wurde entwickelt, um in einer Notzeit auf Chanet die Bevölkerung zu minimieren und somit eine Krise zu überstehen. Jedoch war sie auch jetzt noch im Anfangsstadium und konnte die Schatten nicht wieder zurückverwandeln. Ausserdem konnte der Schatten als Nebenwirkung den Körper des Chaneroaners übernehmen. Dabei würde sich der Körper, je nach Übernahmestatus, teils oder ganz in Grautönen färben. Die Übernahme könne aber zum Glück durch bestimmte Methoden verhindert und wieder auf 0% gesetzt werden, was mich etwas erleichterte. Wieso diese Maschine in einem Notraumschiff war, lag daran, dass man die Maschine unbedingt mitnehmen wollte, aber im Hauptschiff kein Platz mehr war.

Am Tag danach meldete der Steuerungsapparat, dass ein Problem existiert. Da ich keine Ahnung hatte, was ich dagegen unternehmen sollte und ich schon in der Umlaufbahn der Erde war, tat ich das, was ich am Richtigsten hielt. Ich zog einen Raumanzug an, schnappte mir einen Fallschirm und nahm den Notausstieg. Ich flog extrem schnell und zog kurz vor dem Aufprall an der Reissleine. Zum Glück funktionierte das.

Ich landete in einem See in einem Tal in der sogenannten “Schweiz”. Ich schwamm an Land und versuchte, mich zu verständigen. Zum Glück habe ich die Sprache ziemlich schnell gelernt. Ich fand einen Wohnort und lebe von diesem Tag bis heute auf der Erde.

Vielleicht fragt ihr euch noch, wieso ich wie das meist genutzte Wort unserer Sprache und wie mein Volk heisse. Nun, da mein Name für Menschen unaussprechlich war, nahm ich das einfache Wort, welches unsere Rasse beschreibt, zu meinem Vornamen. Ein anderer Grund ist auch noch, dass ich damit mein Volk in Erinnerung behalten möchte. Kuchen heisse ich einfach, weil “Cvca” mein wirklicher Nachname ist. Es war der meist verbreitete Nachname der Kuchaner, denn die Völker wurden nach der Ursprungsfamilie jedes Volkes benannt. Alle anderen Nachnamen entstanden durch Chaneroaner, welche sich der Urfamilie anschlossen.

Nun kennt ihr die Geschichte der Chaneroaner und wisst, wieso ich jetzt auf der Erde lebe. Ihr habt vielleicht auch etwas über mich und mein Verhalten auf der Erde gelernt. Ich hoffe, ich habe das Erbe, also die Erinnerungen, meiner Herkunft gut zusammengefasst und dass ihr somit das Wissen über die verlorene Zivilisation der Chaneroaner erfahren habt.

Auf das mein Volk nicht in Vergessenheit gerät!

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